Das Gewebe des Lebens

Das Gewebe des Lebens

Solange man sich in seiner Trauer, seinem Schmerz, seiner Verzweiflung vom Rest der Welt abgeschnitten fühlt, kann es sein, dass man meint, nie wieder daraus aufzutauchen. Wenn man aber weiß, dass dieser Schmerz, die Trauer, das Loslassen uns alle betrifft, hilft dies auf besondere Weise. Wir sind alle im „Gewebe des Lebens“ miteinander verbunden, nichts ist stärker als die „liebende Kraft der Gemeinschaft“, das „Miteinander-Schwingen“ in liebevoller Achtsamkeit. Der kambodschanische Mönch Maha Ghosananda war einer der führenden Lehrer des gegenwärtigen Theravada- Buddhismus in Südostasien und in Kambodscha. Jener mußte in den letzten 30 Jahren eine Phase unvorstellbaren Leids erfahren. Krieg, totalitäre Diktatur, Bürgerkrieg und Terror haben im kambodschanischen Volk fast 2 Mill. Tote hinterlassen. Hass, Verbitterung und Verzweiflung haben die Herzen der Menschen vergiftet. Nur mühsam, mit tragischen Rückschlägen gab es Schritte zum Frieden. Maha Ghosananda, von vielen ‚Gandhi Kambodschas‘ genannt, versuchte den Menschen den Frieden aus der Tiefe ihres Herzens neu zu eröffnen. Nicht-Handeln ist die Quelle allen Handelns. Ohne Frieden in uns selbst können wir wenig für den Frieden in der Welt tun. Wenn wir Frieden stiften, beginnen wir deshalb mit Stille – mit Meditation und Gebet. Und er hat den Menschen, die unfassbares Leid ertragen mussten, gesagt: Wenn wir unser Leiden teilen können, vergessen wir, dass es „unser eigenes“ ist, dass wir „hier“ und „sie“ dort sind. Wir lernen, dass es uns alle betrifft.

In der Trauer hilft nur trauern.

In der Trauer hilft nur trauern.

Wir möchten Ihnen wieder Mut und Hoffnung geben…auf LEBEN. AUF IHR LEBEN- SO WIE ES JETZT IST.

Gibt es ein Danach für uns Lebende? Ein JA zum Leben nach dem Verlust eines über alles geliebten Menschen?

Trauer ist eine tiefe, schmerzende Wunde, es fühlt sich nach dem Tod oder Verlust eines geliebten Menschen an als ob ein Körperteil fehlt. Wenn ein Kind stirbt, sterben die Eltern innerlich gleich mit. Das eigene Leben scheint schlagartig zu Ende zu sein. Zu Beginn ist es wie durch einen dichten grauen Nebel zu irren, alles ist nur schmerzvoll, grau, trostlos. Oft vermag kein Lichtstrahl diesen Nebel zu durchdringen.

Und Trost lässt sich Zeit, mitunter sehr viel Zeit. Der Weg zurück in eine „Form des Alltags“ ist lang.

Mit Achtsamkeit und eigener Fürsorge, die es oft erst zu lernen gilt, möchte die schmerzende Wunde versorgt werden. Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh drückt es in seinem Buch „Das Glück einen Baum zu umarmen“ so aus:

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt.

Erst wenn wir es schaffen, den Schmerz wirklich anzuschauen, die tiefe Wunde zu versorgen, kann Heilung einsetzen. Und – Trauer ist bereits Heilung. Auch die mit der Trauer verbundenen Emotionen wie Tränen, Angst, Wut, Ohnmacht, das Gefühl „zurück gelassen zu sein“ sind Begleiter auf dem Weg der Heilung, wenn wir es schaffen, sie zuzulassen – sie „sein zu lassen“. Niemand kann uns vorschreiben oder beurteilen auf welche Art, wie lange und wie intensiv wir trauern. Es gibt kein richtig, es gibt kein falsch. Es ist unser ganz eigener, individueller Weg. Mitunter hört Trauer auch nicht auf, verändert sich aber. Sie zu durchleben braucht Mut und die Bereitschaft zu fühlen, was immer auch kommen mag. Heilsam sind dabei Begegnungen mit Menschen, die uns mögen. Allein mitfühlendes Zuhören durch einen Menschen, der uns und unserer Trauer Raum und Zeit gibt, kann Schmerz lindern. Wir brauchen in unserer Trauer Menschen, die tröstende Worte finden, unser Herz berühren, uns einen neuen Horizont eröffnen und einen festen Stand ermöglichen in der Sinnlosigkeit, die ein Verlust erst einmal verursacht.

Auch unser Glaube hilft uns. Unser Glaube, dass Gott nicht über dem Leiden steht, sondern mittendrin und uns in all unseren Trostlosigkeiten, unserem Kummer versteht. Er weiß um unser Leid und geht in unsere Tiefen mit.