Tipps

Ich bin Doris Ahrens, seit diesem Jahr 2020 ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst.

In Gesprächen haben die Koordinatorinnen erfahren, dass ich viel und leidenschaftlich  lese und mir den Vorschlag gemacht, das eine oder andere Buch hier auf unserer Homepage vorzustellen, was ich gerne tue.

Da ich mich selbst immer freue, wenn ich gute Buchtipps bekomme, hoffe ich auch von meinen Leseerfahrungen weitergeben zu können und  Lust aufs Lesen zu machen. Bücher, die ich besitze, stelle ich gern in den            Hospizräumen zur Ausleihe zur Verfügung.

Viel Spaß beim Lesen!

BUCHTIPPS

Wendy Joseph

"Das Geheimnis des Cellolehrers“

Prolog: „Tritt sanft, denn du trittst auf meine Träume….“

Es ist Wendy Josephs erster Roman, denn eigentlich ist sie Richterin am Obersten Gerichtshof „Old Bailey“ in London. Sie wurde als erste Frau dorthin berufen.

Der Titel klingt vielleicht etwas seicht, aber der Roman ist alles andere als das.

Es ist die fesselnde Geschichte dreier Freundinnen an einer streng geführten, renommierten Mädchenschule in England kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges.

Eine davon, nämlich Lacie, beginnt 70 Jahre später, kurz vor ihrem Tod in einem Pflegeheim, ihre verdrängten Erinnerungen aufzuschreiben, ehe sie zum Schluss die volle Wahrheit erfährt.

Die Andere ist die selbstbewusste Alice, die eine schlimme Erfahrung in sich trägt, und die Dritte ist die aus Deutschland geflohene Jüdin Celia.

Eifersucht, Misstrauen, Intrigen und der heraufziehende Weltkrieg belasten die Freundschaft mehr und mehr, bis die Ereignisse ihren dramatischen Lauf nehmen (bis hin zur)und in eine Katastrophe münden.

Die Geschichte ist wechselnd geschrieben zwischen damals und heute, was, wie ich finde, einen besonderen Reiz ausmacht. Sie macht auch deutlich, welche fatalen Folgen es haben kann, wenn Menschen wider besseren Wissens andere falsch beurteilen, wenn nicht sogar verurteilen.

Das Buch ist vorrätig.

 

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Katja Riemann

„Jeder hat. Niemand darf.“

Projektreisen

Ich kannte sie bisher als großartige deutsche Schauspielerin, wusste aber nicht von der anderen Seite der Katja Riemann, nämlich, dass sie seit 20 Jahren als UNICEF-Botschafterin in der Welt unterwegs ist.

Nun hat sie ein Buch über ihre Projektreisen geschrieben. Nach der abgesagten Leipziger Buchmesse im März (Corona) hat sie im Gespräch in der virtuellen Buchmesse dieses Buch vorgestellt. Mich hat das Thema sofort interessiert und so habe ich das Buch gelesen und es hat mich sehr bewegt.

Zitat Katja Riemann:

„Der Titel meines Buches ist inspiriert von der >Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte<. Fast alle 30 Artikel beginnen mit den Worten >Jeder Mensch hat...< oder >Niemand darf...<: >Jeder (…) hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person< (§3) >Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.< (§4)<<

Mit großem Mut und Engagement hat sie diese Reisen für UNICEF unternommen und konfrontiert uns Leser mit Kinderschicksalen in Rumänien, Frauenschicksalen im Kongo, mit Kindersoldatenschicksalen und Menschenhandelsschicksalen. Sie beschreibt die Dinge schonungslos, schockierend und manchmal auch ein bisschen burschikos und mit Humor. Sie erzählt diese Geschichten, weil sie anders sein sollten. Und zum Glück erzählt sie von vielen Menschen, die dafür sorgen, dass sie hier und da tatsächlich anders werden.

Ein Buch, das nachdenklich macht. Es steht in der Hospiz-Bibliothek zur Verfügung.

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Susann Pásztor,

„Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“

Der Roman von Susann Pásztor hat mich sehr berührt. Sie schreibt ohne Sentimentalität, aber dennoch sehr einfühlsam über die letzte Lebenszeit und schließlich das Sterben der krebskranken Karla. Karlas ehrenamtlicher Sterbebegleiter Fred Wiener fühlt sich in seiner ersten Begleitung fast überfordert, was in einem Wortwechsel zwischen ihm und Karla deutlich wird, als er zu ihr sagt „er wolle lernen es auszuhalten, dass Menschen sterben“ und sie antwortet „Sie wollen das erst lernen? Sie können das noch nicht?“ Darauf Fred: Es ist mein erstes Mal“. Karla: „Was für ein Zufall. Bei mir ist es auch das erste Mal."

So ist das Buch keine deprimierende Lektüre, sondern manchmal  auch humorvoll und tragikomisch (wenn der Humor auch manchmal schwarz ist).

Parallel zu der Geschichte um Karla erfährt man um die schwierige Beziehung zwischen dem alleinerziehenden Vater Fred und seinem 13-jährigen Sohn Phil, der in Kontakt zu Karla gerät und eher spürt als der Vater worauf es ankommt. Karla entscheidet sich zum Schluss, ihr Leiden mit Sterbefasten abzukürzen, was sie mit Würde und begleitet von ein paar Menschen, die ihr in ihren letzten Tagen zur Seite stehen, vollzieht.

So wird diese Zeit für alle Beteiligten zu einer großen Veränderung und Erfahrung.

Die persönlichen Erkenntnisse der Autorin, die selbst auch Sterbebegleiterin ist, werden ausdrucksvoll im Roman deutlich.

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Matthias Brandt

„Blackbird“

Dieser Roman, der eine Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist, ist meiner Meinung nach eine Lektüre für jedes Alter. Er spiegelt sehr überzeugend die Atmosphäre von damals wider, ist aber eigentlich übertragbar in jede Zeit. Der Junge Morten Schumacher verliebt sich mit allen Höhen und Tiefen und Enttäuschungen. Gleichzeitig erkrankt sein bester Freund schwer und Morton wird konfrontiert mit Krankheit, Hoffnung auf Heilung und letztendlich doch Tod des Freundes. Das alles ist sehr viel für einen jungen Menschen und Matthias Brandt versteht es wunderbar, die Traurigkeit und trotzdem auch die unbändige Sehnsucht nach Leben spüren zu lassen.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

 

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Benedict Wells

„Vom Ende der Einsamkeit“

Jules und seine beiden Geschwister haben eine behütete Kindheit bis ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen.

Im Roman wird geschildert wie die drei lange glauben, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben, aber im Erwachsenenalter eingeholt werden von der Vergangenheit. So unterschiedlich die Charaktere der drei Menschen sind, so unterschiedlich versuchen sie auch ihr Trauma im Leben zu überwinden. Es ist sowohl eine berührende Liebesgeschichte, als auch der Versuch eines jeden seinen Verlust und seine Einsamkeit auf die eigene Art zu überwinden.

Jules, der Ich-Erzähler erinnert sich nach zweitägigem Koma im Krankenhaus an seinen Motorradunfall: „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“.

Trotz der melancholischen Stimmung ist es ein schönes, aufbauendes Buch und die Geschichte gewinnt an Zuversicht und endet in einem hoffnungsvollen Neubeginn.

Ich finde das Buch sehr lesenswert

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Iris Lieser

„Bis auf den letzten Schritt“

 „Wie wir lebten, als wir wussten, uns bleibt nur noch ein Jahr“ - das ist der Untertitel von Iris Liesers wahrer Geschichte, in der sie sehr innig und schonungslos das Leben ihrer Familie in diesem letzten gemeinsamen Jahr erzählt.

Ihr Mann ist erst 38 Jahre alt als er die Diagnose Darmkrebs erhält. Der Tumor hat bereits gestreut und die Chemo kann bestenfalls nur noch verlängernd wirken. Der Schock sitzt tief – es sind 3 Kinder da, der älteste gerade mal 10 Jahre – und es beginnt der Versuch mit dem Wissen um den kranken Mann und Vater weiter zu leben.

Iris Lieser lässt uns an ihren Gefühlen teilhaben, diese reichen von extremer Verzweiflung bis hin zu immer wieder aufkeimender Hoffnung – ein Wechselbad der Gefühle durch das sie als Familie gemeinsam gehen. Es gibt aber auch unendlich viele wunderbare Momente des Glücks und der Liebe, die es allen Familienmitgliedern möglich macht, die schwere Zeit durchzustehen und letztlich ihren Frieden mit dem Unausweichlichen zu finden.

Motiviert  zum Schreiben dieses Buches war Iris Lieser auch durch die eigene Erfahrung, dass es kaum Literatur gibt, die das „Davor“ thematisiert und  so manchem eine Hilfe sein könnte.

Mich hat das Buch tief berührt.

Es ist in unserer Hospiz-Bibliothek verfügbar.

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Iris Lieser

„Lebe vorwärts“

Diese Bitte hatte Peter Lieser seiner Frau vor seinem Tod ans Herz gelegt. Die Erinnerung daran wird ihr immer wieder helfen in den schweren Stunden und Tagen bis zur Beerdigung und dann in den Wochen, Monaten und Jahren, die die nun nur noch vierköpfige Familie durchlebt.

In der wieder sehr persönlichen und emotionalen Erzählung ihres Weges macht Iris Lieser dem Leser bewusst, dass es für Zeiten des Schmerzes und der Trauer keine Regel gibt. Und auch keine Antwort auf die Frage: "Wann hört das auf?"

Sie erzählt, wie sie die Bürde, drei Kinder nun allein zu erziehen, meistert mit allen Höhen und Tiefen, die der Alltag mit sich bringt, wie jeder von ihnen mit dem Verlust leben lernt und wie sie nicht zuletzt sowohl mit professioneller als auch mit Hilfe vieler guter Weggefährten allmählich wieder ins Leben findet und echte Freude zulassen kann.

Besonders gefallen hat mir der sinnbildliche Vergleich mit der „emotionalen Handbremse“, die sie ganz allmählich lösen lernt.

Wieder ein echtes Mut-mach-Buch, das sehr zu Herzen geht.

Es ist ebenfalls in der Bibliothek vorhanden.